hymenalatresie

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vorher, also ich gerade in meinem sessel sass und mit der lektüre von charlotte roche’s debütroman “feuchtgebiete” beschäftigt war - ein buch, bei dem sich alles um den genitalbereich einer jungen krankenhauspatientin dreht - ist mir plötzlich eine frage aufgegangen, die noch nie meine gedankengänge gekreuzt hatte, obwohl sie nach allem, was ich über aufbau und funktion der weiblichen geschlechtsorgane weiss, eigentlich auf der hand hätte liegen müssen.

es geht um folgendes: bekanntlich ist die vaginalöffnung von heranwachsenden frauen zunächst vom jungfernhäutchen, medizinisch hymen genannt, bedeckt. der hymen reisst üblicherweise beim sport, bei einem sturz oder beim ersten sex ein. soweit alles bekannt. frauen bekommen ausserdem mit der geschlechtsreife ihre monatsblutungen, wobei blut aus der gebärmutter vaginal abläuft. auch bekannt. was passiert aber nun, fragt sich der naive mann, der auf seinem sessel hockt und ein buch über muschis liest, wenn die monatsblutungen einsetzen, bevor der hymen gerissen ist? wo geht denn dann das blut hin? das müsste doch blockiert sein, in dem fall. fliesst das dann irgendwie anders ab? oder staut sich das? fragen über fragen - mann steht vor einem grossen rätsel.

leider grad keine frau da, die ich fragen könnte. muss wohl wikipedia fragen. also muschibuch beiseite und wikipedia anbrausen. und da lernt man so einiges, was einem der primarlehrer im sexualkundeunterricht verschwiegen hat, und was auch die wenigen frauen, mit denen man sich bisher über ihre geschlechtsorgane unterhalten hat, nicht für erwähnenswert gehalten haben. diese hymen haben offenbar, so wikipedia, ganz verschiedene formen. aha. ringförmig, bandförmig, flächig mit löchern. oha, staun. im normalfall verschliessen sie aber nicht die ganze vaginalöffnung. das blut kann also in der regel am hymen vorbei ablaufen. jäsoo, ich verstehe. allerdings: was ist in den - offenbar seltenen - fällen, wo der hymen dennoch die ganze öffnung verschliesst? das will ich jetzt natürlich wissen, und auch darauf hat wikipedia eine antwort. in diesem fall spricht man von einer hymenalatresie, wobei tatsächlich ein stau entsteht, weil das blut in der vagina und in der gebärmutter verbleibt. dies macht offenbar einen chirurgischen eingriff nötig. interessant. davon hatte ich noch gar nie gehört. ob das wohl eine hat machen lassen müssen, die ich kenne? ist ja klar, dass die das nicht an die grosse glocke hängen würden. schade, würde gerne jemanden fragen, wie sich das anfühlt. muss bestimmt unangenehm sein, wenn man da das ganze blut in sich rumträgt, und das nicht rauskann?

auf jeden fall wäre dieses rätsel somit gelüftet. bei mir stellt sich eine gewisse zufriedenheit ein, wieder was neues gelernt zu haben.

ps: das wort hymenalatresie ist sprachlich als hymenal-atresie zu segmentieren. der zweite teil ist das wort atresie, eine substantivierung aus dem griechischen adjektiv ἄ-τρητος bzw. ἀ-τρύπητος zum verb τρυπάω ‘durchbohren’, also mit der Bedeutung ‘Undurchbohrtheit’ o.ä.


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