goth. liugan
gothic liugan means ‘to marry’, but it also means ‘to lie’.
coincidence? ;)
gothic liugan means ‘to marry’, but it also means ‘to lie’.
coincidence? ;)
i’ve been asked for help to translate the OE expression fīfte healf hund. numerals can be tricky! for example, in old germanic (especially ON) the word for ‘hundred’ often does not mean 100 but 120 (!), the so called Grosshundert, which is, by the way, not to be confused with the gros, which is 12 * 12 = 144). another example of odd counting are the danish numerals partly based on a vigesimal system and – surprisingly – still in use today.
to find the correct translation for fīfte healf hund, i looked through the entry for ‘healf’ in the bosworth/toller dictionary [1], and among some weird stuff i found the following two clear OE/Latin translation pairs that should allow to come to a certain conclusion:
ðridda half haga = duas possessiunculas et tertiam dimedia
fīfte healf hund = quadringenti et quinquaginta
the first example means something along the lines of ‘two and a half residences’, and the second case is clearly 450.
the correct way to read the phrase is therefore: “fīfte healf” = 4.5, and then times 100, with the result 450.
references
[1] Bosworth, J. & Toller, T. N.: An Anglo-Saxon Dictionary. Oxford 1898. 2 volumes.
link
http://lexicon.ff.cuni.cz/png/oe_bosworthtoller/d0520.png
braunmüller (2007:171) schreibt, dass dem retroflexen /ɖ/ im norwegischen phonemischer status zukomme, da minimalpaare der folgenden art gebildet werden können:
Norden ['nu:ɖən] ‘der skand. norden’
noten ['nu:tən] ‘nute, zugnetz’
das kann aber so nicht stimmen. wenn dies eine zulässige minimalpaaranalyse wäre, könnte man selbst bei parade-fällen von allophonie einen phonemstatus nachweisen. nehmen wir z.b. die allophonie von [ç] und [χ] im deutschen, wovon letzteres bekanntlich nur nach hinteren vokalen auftritt.
nach braunmüllers logik könnte man mit folgendem minimalpaar den phonemstatus von /ç/beweisen:
ich – im
[ç] – [m]
und mit folgendem minimalpaar wäre der phonemstatus von /χ/ nachweisbar:
Dach – Damm
[χ] – [m(:)]
ebenso verhält es sich bei der englischen allophonie von [l] und [ɫ] (velarisiertes l). hier könnte folgendermassen phonemstatus nachgewiesen werden:
peel – peep
[ɫ] – [p]
bzw.
lift – gift
[l] – [g]
es gilt zu betonen, dass die minimalpaaranalyse zwar die richtige methode ist, um den phonemstatus von lauten zu ermitteln, dass die hier verwendete methode aber ungültig ist. es wäre z.b. richtig, zu behaupten, dass [ç] und [χ] keine allophone sondern eigenständige phoneme sind, wenn es gelänge, ein minimalpaar zu finden, dass sich nur durch den unterschied von [ç] und [χ] unterscheidet (was aber nicht möglich ist). es ist jedoch nicht zulässig, eines der allophone mit einem unabhängigen laut (z.b. /t/) zu konstrastieren und auf diesem weg den phonemstatus für das allophon zu behaupten, wie dies von braunmüller gemacht wird.
für den fall von norw. /ɖ/ heisst das konkret, dass /ɖ/ solange als allophon von /d/ anzusehen ist, bis man ein minimalpaar findet, dass sich nur durch den unterschied von /ɖ/ und /d/ unterscheidet, was mir (ohne mich damit beschäftigt zu haben) eher unwahrscheinlich vorkommt.
referenz
Braunmüller, K.: Die skandinavischen Sprachen im Überblick. Tübingen 2007. 3. Auflage.
viele sprachen kennen eine dialektale variation von r-lauten, aber dass es auch möglich ist, dass verschiedene r-varianten allophonisch verteilt sind, ist mir neu. nach braunmüller (2007:43) gibt es in einem “übergangsgebiet zwischen süd- und mittelschweden” einen dialekt, wo anlautend und inlautend (sofern der laut lang ist) ein gaumen-r [ʀ,ʁ] gesprochen wird, ansonsten zungenspitzen-r [r]. seine beispiele sind:
röra [''ʀœ:ra] ‘bewegen’
herre ['hɛʀ:ę̜] ‘herr’
es ist schwer zu glauben, dass es wirklich zwei verschiedene gerollte r-varianten im selben wort geben kann, aber genau das scheint hier der fall zu sein.
referenz
Braunmüller, K.: Die skandinavischen Sprachen im Überblick. Tübingen 2007. 3. Auflage.
ich war etwas unzufrieden mit den bisherigen stammbaum-diagrammen, die man in der fachliteratur zur germanischen sprachfamilie findet. bekannt sind etwa die diagramme von keller 1995 und von birkhan 1985, doch haben beide ihre probleme. deshalb habe ich nun mit dem tool inkscape mein eigenes modell gebastelt.
download: stammbaum der germanischen sprachfamilie (SVG) (v1.1)
download: stammbaum der germanischen sprachfamilie (PDF) (v1.1)
download: stammbaum der germanischen sprachfamilie (PNG) (v1.1)
lizenz: CC-BY-SA
kommentare / kritik wie immer sehr willkommen!
natürlich gibt es auch bei meiner variante probleme und ungenauigkeiten. als besondere schwierigkeit hat sich erwiesen, dass ich mich entschied, korpussprachen in der zeitskala beim auftreten ihrer ersten belege einzutragen, was natürlich fälschlicherweise den eindruck vermitteln könnte, dass sie erst ab dann existierten.
update 13.2.2009: beta 2 ist erschienen mit einer menge verbesserungen. ich bedanke mich für die rückmeldungen!
update 23.2.2009: release candiate 1 ist erschienen.
update 15.3.2009: v1.0 ist erschienen.
update 22.3.2009: v1.1 ist erschienen.
literatur
Keller, R.: Die deutsche Sprache und ihre historische Entwicklung. Hamburg 1995.
Birkhan, H.: Etymologie des Deutschen. Bern 1985.
das untersuchungsobjekt sprache birgt viele rätsel. dies zeigt sich inbesondere beim erlernen einer fremdsprache, wo man einerseits regelhaftigkeiten erkennen, andererseits aber auch mit vielen unregelmässigkeiten und besonderheiten auf allen ebenen der sprache umzugehen lernen muss. ebenso mysteriös erscheint die eigene, in der regel unbewusst verwendete sprache, wenn man sie einmal etwas reflektierter unter die lupe nimmt.
im bereich der germanischen sprachen könnten das z.b. fragen der folgenden art sein:
in der sprachwissenschaft gibt es grundsätzlich zwei ansätze, um sprachliche fragestellungen anzugehen. zum einen kann man die sprache zu einem bestimmten zeitpunkt nehmen, wie sie ist, und diesen “eingefrorenen” zustand (in der regel die gegenwartssprache) für sich genommen analysieren. der schwerpunkt der untersuchung liegt dann auf der systematik der sprache in diesem gegebenen moment. zum anderen ist es möglich, die sprache historisch zu betrachten und danach zu fragen, wie sie sich über die zeit hinweg entwickelt hat. hier steht der sprachwandel und die frage danach, wie es zum gegenwärtigen zustand gekommen ist, im vordergrund. seit saussure wird der erste ansatz als synchrone (gleichzeitige), der zweite als diachrone (ungleichzeitige) sprachwissenschaft bezeichnet.
aus heutiger sicht ist klar, dass beide zugänge zur sprache ihre vorteile haben und sich nicht ausschliessen sondern – ganz im gegenteil – gegenseitig ergänzen können. nichtsdestotrotz scheint es mir offensichtlich, dass die diachronie im vergleich zur synchronie ein deutlich grösseres erklärungspotential aufweist. kommen wir auf die eingangs erwähnten fragen zurück:
engl. was vs. were
das nebeneinander von -s- und -r- im präteritum des verbs to be ist aus synchroner sicht nicht zu entschlüsseln. es scheint im englischen keinen parallelfall zu geben, den man als vergleichsgrundlage hinzuziehen könnte. kein anderes verb zeigt einen entsprechenden konsonantenwechsel, eine kontextabhängigkeit scheint nicht vorzuliegen (etwa in der art, dass -s- immer in einer bestimmten lautlichen umgebung stehen würde o.ä.), und die präsensformen des verbs helfen auch nicht weiter, da sie keinen entsprechenden wechsel zwischen -s- und -r- zeigen (sie gehören sowieso nicht zum selben stamm). mit den methoden der synchronen linguistik ist also keine erklärung für die vorliegenden daten zu finden, und es bleibt nichts anderes übrig, als dieses phänomen als “unregelmässigkeit” zu klassifizieren.
nimmt man nun die historische dimension dazu, lassen sich die formen leicht erklären. die formen gehören zu einem starken verb der klasse “V”, bei der im singular präteritum ursprünglich andere akzentverhältnisse geherrscht haben als im plural. im singular geht man von einer vorform *(u̯e)-u̯ós-a mit akzentuierter wurzelsilbe aus, während der akzent im plural hinten stehen musste: *(u̯e)-u̯ēs-mé. mit zwei einfachen lautgesetzen (vernersches gesetz und rhotazismus) kann man nun erklären, warum sich das -s- in der pluralform über ein stimmhaftes -z- zu einem -r- entwickelt hat, während der singular nicht betroffen war. ((eine schlüssige erklärung, warum sich die 2. person singular wie die pluralformen verhält, ist allerdings schwieriger zu leisten. selbstverständlich kann die historische sprachwissenschaft auch nicht alles erklären, aber sie kann auf jeden fall sehr viel mehr erklären als die synchrone sprachwissenschaft.))
nhd. -ei- und schweizdt. -ī-/-äi-
auch bei den formen nhd. Bein, Stein, Wein, Leiche vs. schweizdt. Bäi, Stäi, Wii, Liiche kommt man mit synchronen methoden nicht weit. zwar lässt sich hier das korpus vergrössern, indem man sowohl für die entsprechung nhd. -ei- vs. schweizdt. -ī- als auch für die entsprechung nhd. -ei- vs. schweizdt. -äi- weitere fälle anführt, doch bringt einem das für die erklärung des phänomens nicht weiter. auch hier lässt sich nicht feststellen, dass ein bestimmter lautlicher kontext für den unterschied im schweizerdeutschen verantwortlich gemacht werden könnte. ein vergleich mit den anderen langvokale und diphthongen bringt ebenfalls keine erhellung der situation. wie man es also drehen und wenden mag, es gibt aus synchroner sicht keine erklärung für die vorliegenden vokalkorrespondenzen.
wiederum ist aber aus diachroner sicht leicht eine erklärung zu finden. der vergleich mit dem althochdeutschen, dass dem neuhochdeutschen gleichermassen wie dem schweizerdeutschen zugrunde liegt, zeigt, dass zwei der wörter einen alten diphthong haben, während die anderen zwei einen alten langvokal aufweisen: es heisst ahd. bein, stein, aber wīn, līh. die lösung des problems ist also ganz einfach, dass das schweizerdt. den alten zustand bewahrt hat, während das neuhochdeutsche – wiederum durch ein wohlbekanntes lautgesetz, nämlich die frühneuhochdeutsche diphthongierung – die aus ahd. wīn, līh herzuleitenden formen so umgeformt hat, dass sie mit den anderen wörtern, die von haus aus einen diphthong hatten, zusammengefallen sind.
auf den punkt gebracht hat das unterschiedliche erklärungspotential dieser zwei ansätze ein hierzulande wohlbekannter indogermanistikprofessor, der folgendes gesagt haben soll (mit starkem amerikanischen akzent zu lesen): “wenn dies die sprache ist” (zeigt auf die wandtafel) “sieht man mit synchronen methoden so viel” (malt einen fünflibergrossen kreis in die mitte der tafel) “und mit diachronen methoden so viel” (malt einen veloradgrossen kreis um den ersten herum).
h. paul zum thema
nun sind manche leute sogar so weit gegangen, die diachrone sprachwissenschaft zur einzigen sprachwissenschaft zu erklären. dem würden in dieser absolutheit heute wohl die wenigstens linguisten beipflichten (ich auch nicht). dennoch meine ich, dass pauls plädoyer für die historische sprachwissenschaft zumindest in der stossrichtung korrekt ist:
“Es ist eingewendet, dass es noch eine andere wissenschaftliche Betrachtung der Sprache gäbe, als die geschichtliche. Ich muss das in Abrede stellen. Was man für eine nichtgeschichtliche und doch wissenschaftliche Betrachtung der Sprache erklärt, ist im Grunde nichts als eine unvollkommen geschichtliche, unvollkommen teils durch Schuld des Betrachters, teils durch Schuld des Beobachtungsmaterials. Sobald man über das blosse Konstatieren von Einzelheiten hinausgeht, sobald man versucht den Zusammenhang zu erfassen, die Erscheinungen zu begreifen, so betritt man auch den geschichtlichen Boden, wenn auch vielleicht ohne sich klar darüber zu sein. [...] Und so wüsste ich überhaupt nicht, wie man mit Erfolg über eine Sprache reflektieren könnte, ohne dass man etwas darüber ermittelt, wie sie geschichtlich geworden ist.” (Paul 1909:20f)
referenz
Paul, Hermann: Prinzipien der Sprachgeschichte. Halle a.S. 1909.
letzte woche war ich odense an der von h.f. nielsen organisierten tagung ‘the gothic language – origins, structure, developments’, wo ich freundlicherweise mein dissertationsprojekt vorstellen durfte. falls sich jemand dafür interessieren sollte, kann er oder sie das manuskript hier beziehen (die letzten zwei seiten stellen das handout dar).
der erste teil, cheese-, bedarf keiner erklärung. aber was ist eigentlich (-)burger?
der ursprung von burger ist im wort hamburger zu suchen. dies bezeichnete ursprünglich ganz einfach eine speise, die aus hamburg (DE) kommt, so wie die wienerwürste auch wiener oder die frankfurter würste frankfurter, bzw. in der schweiz frankfurterli heissen. dieses wort hamburger wurde dann ins englische entleht. dort hat man es offensichtlich nicht mehr mit der stadt hamburg assoziiert, sondern man glaubte engl. ham ‘Schinken’ darin zu sehen. dass dies ziemlich absurd war, da ein hamburger gar keinen schinken enthält, hat offenbar niemanden gestört. durch die neuinterpretation von ham- in hamburger musste das hinterglied, -burger, das generelle konzept dieser speise bezeichnen, d.h. ein ‘warmes sandwich’. dies machte in der folge neubildungen wie cheeseburger möglich, und burger ist heute im englischen auch als simplex geläufig.
die neuinterpretation von hamburger als kompositum ham-burger ist eine klassische volksetymologie.
das hinterglied des ortsnamens hamburg ist natürlich mit nhd. burg identisch, d.h. dass der cheeseburger rein etymologisch gesehen eigentlich ‘(die speise aus der) käsestadt, käseburg’ sein müsste.
referenz
kluge, f. und seebold, e.: etymologisches wörterbuch der deutschen sprache. berlin 2002. 24. auflage.
Does anyone know what happened to the Etymological Dictionary of Old English by Alfred Bammesberger? Bammesberger talks about this as a project he’s working on in the preface of some of his publications (e.g. Aufbau des germanischen Verbalsystems, Heidelberg 1986), but I don’t think he ever finished it. I’ve found only two publications related to this: One [1] seems to be a sort of preliminary study (or rather an addenda/corrigenda to Holthausen [2]?), the other is a speech of his that was published in 1983 about the dictionary [3]. So can anyone tell me whether he has given up on it (he’s an emeritus by now) or whether someone is still working on it? Were any of the results ever published?
[1] Bammesberger, Alfred: Beiträge zu einem etymologischen Wörterbuch des Altenglischen. Heidelberg 1979.
[2] Holthausen, Ferdinand: Altenglisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 1963.
[3] Bammesberger, Alfred: Das etymologische Wörterbuch des Altenglischen: Probleme und Methoden. In: Hasler, Jörg (Hrsg.): Anglistentag 1981: Vorträge. Frankfurt am Main 1983. S. 29-34.