microsoft's miese geschäftspraktiken
microsoft hat eine monopolstellung im bereich von betriebssystemen für desktop computer (microsoft windows) und office anwendungen (microsoft office), und ist in den letzten zwei jahrzehnten insbesondere dank diesen zwei produkten zu einem gigantischen grosskonzern mit einem börsenwert von aktuell 246.13 Mrd. USD und ca. 93.000 Mitarbeitern angewachsen. es ist absolut kein geheimnis, aber leider dennoch vielerorts nicht bekannt genug, dass microsoft seit vielen jahren fiese und teilweise sogar illegale geschäftspraktiken anwendet, um ihr software-imperium aufzubauen und zu erhalten. die wichtigsten informationen dazu habe ich hier kurz zusammengefasst, wobei ich technische details so weit es ging ausgeblendet habe, damit sich auch technisch nicht-interessierte schnell eine meinung bilden können. meiner meinung nach sollte sich jeder, der microsoft-software verwendet, über die folgenden punkte im klaren sein.
anmerkung: einige der brisanteren informationen stammen aus internen, eigentlich geheimen microsoft-emails, die im rahmen einer gerichtsverhandlung (comes vs. microsoft litigation) ans licht gekommen sind.
- microsoft wurde wiederholt und in ganz verschiedenen ländern der welt wegen missbrauch seiner monopolstellung gerichtlich verurteilt. so benutzten sie z.B. ihre monopolstellung im betriebssystemmarkt, um ihre vormacht im bereich der webbrowser zu erhalten (der konkurrent netscape wurde so zerquetscht, wofür microsoft im nachhinein kartellrechtlich verurteilt wurde). allein in europa hat microsoft wegen derartiger vergehen durch die wettbewerbskommission der EU eine absolut rekordverdächtige bussgeldsumme von 1.68 Milliarden Euro angehäuft. trotzdem ist nicht erkennbar, dass die firma einsichtig wäre: im jahr 2009 musste microsoft wiederum von der EU-wettbewerbskommission gezwungen werden, den windows-käufern eine faire wahl des webbrowsers zu ermöglichen.
gerichtsverfahren gab es auch in südkorea (2005, mit millionenbusse) und den USA (ab 1998, endete mit einer “einigung”). der richter im amerikanischen gerichtsverfahren sagte u.a. folgendes:Microsoft executives had "proved, time and time again, to be inaccurate, misleading, evasive, and transparently false. ... Microsoft is a company with an institutional disdain for both the truth and for rules of law that lesser entities must respect. It is also a company whose senior management is not averse to offering specious testimony to support spurious defenses to claims of its wrongdoing."
- microsoft ist absichtlich inkompatibel. statt es den benutzern verschiedener computersysteme einfacher zu machen, daten und dokumente auszutauschen, macht microsoft dies vorsätzlich schwieriger. das gehört zur firmenstrategie: es soll den kunden damit möglichst schwer gemacht werden, zu einem konkurrenten umzusteigen. im fachjargon nennt man dies vendor-lockin, also die bindung an einen einzelnen hersteller, und microsoft hat diese technik zur perfektion gebracht. man könnte auch von einer falle sprechen: ist der kunde erst einmal reingetappt, hat er es so schwer, zu einem konkurrenten zu wechseln, dass er fast sicher weiterhin die produkte dieses herstellers kaufen wird. genau so argumentiert ein manager von microsoft 1997 in einem internen memo: windows-applikationen seien so stark mit dem betriebssystem verflochten, dass die kunden enorme kosten hätten, wenn sie auf eine andere software umsteigen möchten. “es sind diese umstiegskosten”, schreibt er, “die den kunden die geduld geben, trotz all unserer fehler bei windows zu bleiben. [...] um es kurz zu machen: ohne dies [...] wären wir schon lange tot.” (meine übesetzung).
pikanterweise sind es aber nicht nur die von microsoft geschaffenen formate und standards, die sie inkompatibel machen wollen. microsoft versucht auch, gängige und an und für sich betriebssystemunabhängige industriestandards (wie etwa das sogenannte ACPI, das die zusammenarbeit von hard- und software in einem computer regelt) so zu beeinflussen, dass sie nicht mehr richtig mit konkurrenzprodukten zusammenarbeiten. im fall von ACPI geht das zweifelsfrei aus einem internen email von bill gates von 1999 hervor, wo er vorschlägt, ACPI “Windows specific” zu machen, weil es ihn stört, dass es mit dem freien betriebssystem linux (ein konkurrenzprodukt zu windows), gut zusammenarbeitet.
das heisst im klartext: microsoft arbeitet aktiv darauf hin, dass die welt der computertechnologie weniger kompatibel ist. es ist also in microsofts interesse, wenn du z.B. deine office dateien nicht problemlos mit deinen freunden/bekannten/geschäftspartnern austauschen kannst, sofern diese nicht auch microsoft software einsetzen. - microsoft kämpft vehement gegen offene, kompatible standards. es konnte wiederholt beobachtet werden, dass überall dort, wo herstellerübergreifende standards vorgeschlagen werden, die firma alle hebel in gang setzt, um stattdessen ein eigenes, nur von ihnen kontrolliertes format zu etablieren. ein gutes beispiel ist das von microsoft massiv torpedierte offene format ODF, das mit dem ziel erschaffen wurde, die interoperabilität von office anwendungen zu verbessern. statt sich dieser noblen sache anzuschliessen, erfand die firma lieber ein eigenes, von ihnen kontrolliertes format namens OOXML, das sie gegen ODF positionierten. obwohl es also mit ODF bereits einen herstellerübergreifenden ISO-standard für office dateien gab, erreichten sie es trotz guten gegenargumenten und nach einer stark umstrittenen und von vorwürfen von unregelmässigkeiten geprägten wahl, dass auch OOXML als zweiter standard von der ISO akzeptiert wurde. 1
ein weiteres beispiel ist das dateiformat PDF, das sich als äusserst nützliches format für fertig formattierte dokumente einer grossen beliebtheit erfreut. microsoft hat sich aber immer gegen das format gesträubt, und unterstützt es auch heute noch nur sehr halbherzig, weil sie nicht die volle kontrolle darüber haben (es wurde von adobe erschaffen) und es deshalb nicht für ihre unfairen geschäftsmethoden missbrauchen können. - wenn sich plattformübergreifende standards bereits etabliert haben, hat microsoft in der vergangeheit wiederholt versucht, diese mittles einer embrace - extend - extinguish genannten strategie zu unterlaufen. microsoft nimmt sich innovativer technologien und standards an, erweitert diese so, dass sie nur noch zu ihren eigenen produkten kompatibel sind, und verbreitet diese modifizierten varianten weiter, um den standard / die plattformunabhängigkeit anzugreifen bzw. zu ruinieren. genau so haben sie es bei der programmiersprache java gemacht, womit sie allerdings gescheitert sind, und auch bei den web standards HTML und CSS haben sie so etwas versucht (vgl. hier).
- es gehört zu microsofts "mission", analysten und moderatoren von gesprächspodien zu kaufen und akademiker durch das zusprechen von forschungsgeldern zu beeinflussen. dazu eine mail aus dem jahr 1997, geschrieben von james plamondon, damals ein hoher angestellter (“technical evangelist”) bei microsoft:
“Our mission is to establish Microsoft's platforms as the de facto standards throughout the computer industry.... Working behind the scenes to orchestrate "independent" praise of our technology, and damnation of the enemy's, is a key evangelism function during the Slog [= interne Bezeichnung für eine Art “guerilla marketing”, Anmerkung von doink.ch]. "Independent" analyst's report should be issued, praising your technology and damning the competitors (or ignoring them). "Independent" consultants should write columns and articles, give conference presentations and moderate stacked panels, all on our behalf [...]. "Independent" academic sources should be cultivated and quoted (and research money granted). "Independent" courseware providers should start profiting from their early involvement in our technology. Every possible source of leverage should be sought and turned to our advantage.”
- microsoft ist nicht im wettberwerb mit seinen konkurrenten, sondern im krieg mit seinen feinden. ich zitiere dazu wiederum aus einem internen dokument (titel beachten!):
Evangelism Is War
Our mission is to establish Microsoft's platforms as the de facto standards throughout the computer industry. Our enemies are the vendors of platforms that compete with ours: Netscape, Sun, IBM, Oracle, Lotus, etc. The field of battle is the software industry. Success is measured in shipping applications. Every line of code that is written to our standards is a small victory; every line of code that is written to any other standard, is a small defeat. Total victory, for DRG, is the universal adoption of our standards by developers, as this is an important step towards total victory for Microsoft itself: 'A computer on every desk and in every home, running Microsoft software.'”
- microsoft geschäftet absolut skrupellos, selbst wenn es um humanitäre projekte geht. das vom informatikprofessor negroponte gestartete one laptop per child-projekt, bei dem es darum geht, kindern in entwicklungsländern zu bildungszwecken einen extrem kleinen, billigen computer zur verfügung zu stellen, sollte ursprünglich ausschliesslich mit open source software (linux) laufen. doch wie aus internen emails hervorgeht, waren microsoft alle mittel recht, um das offene betriebssystem auf den prestigeträchtigen OLPC-computern durch microsoft-software zu verdrängen. sie schreckten nicht einmal davor zurück, dem projektleiter negroponte eine summe von $10-30 Mio. USD für den ausbau des forschungslabors an seiner universität anzubieten, damit er auf die linie von microsoft umschwenke. resultat: das OLPC arbeitet nun eng mit microsoft zusammen, damit auch windows auf dem gerät laufen könne.
- microsoft benutzt software-patente als waffen. im bereits oben genannten email von bill gates spricht er von der möglichkeit, software-patente zu benutzen, um konkurrenzsoftware zu benachteiligen. software-patente sind an und für sich sehr umstritten und viele leute (inkl. ich) meinen, es sollten überhaupt keine patente auf software vergeben werden. die enorme grösse und die finanziellen mittel des konzerns machen es für kleinere konkurrenten extrem schwierig, sich gegen patentansprüche von microsoft zu wehren. der derzeitige microsoft-chef ballmer lässt keine gelegenheit verstreichen, ohne zu betonen, dass sie die sogenannte “patent-keule” gegen ihre konkurrenten und insbesondere auch gegen open source software einsetzen könn(t)en.
- microsoft macht grossen druck auf pc-verkäufer, damit sie ausschliesslich pcs mit windows ausliefern. da die pc-verkäufer aufgrund der momentanen vormachtsstellung von windows darauf angewiesen sind, mit microsoft im geschäft zu bleiben, müssen sie sich wohl oder übel dem druck fügen und können keine computer mit alternativer software verkaufen. das resultat davon ist, dass es nicht nur für konkurrenten fast unmöglich ist, im markt fuss zu fassen, sondern dass auch noch diejenigen kunden, die kein windows wollen, praktisch gezwungen werden, für windows mitbezahlen -- selbst wenn sie es nach dem erwerb sofort zu löschen gedenken.2
- es gibt anzeichen dafür, dass microsoft versucht, die open-source szene zu unterwandern/spalten. das ist schwer zu beweisen, aber einiges deutet darauf hin, z.b. dass microsoft abkommen mit einigen linux-firmen (wie den deal mit novell) abgeschlossen hat, wodurch nun einige linuxnutzer von patentstreitigkeiten geschützt sind, andere jedoch nicht. dies hat zu einigem streit und der bildung von “lagern” in der linux community geführt. ausserdem gibt es seit einer weile starke bestrebungen, die microsoft-programmiersprache c# in linuxdistributionen aufzunehmen, wodurch sich die linux-anbieter einer gefahr von zukünftigen patentansprüchen von seiten microsofts aussetzen.
- microsoft unterhält 'schwarze listen' von journalisten, die ihnen nicht passen. auch dies ist aufgrund von internen dokumenten aus gerichtsverhandlungen publik geworden, und mindestens ein journalist behauptet, aufgrund von drohungen von microsoft gegenüber seinem arbeitsgeber seinen job verloren zu haben.
- microsoft wirbt mit unlauteren mitteln. microsoft gibt immer wieder bei “unabhängigen” instituten studien in auftrag, deren resultate die überlegenheit der microsoft-produkte nachweisen sollen. diese von microsoft anschliessend für werbung verwendeten studien waren teilweise derart irreführend/gefälscht, dass sie gerichtlich gestoppt werden mussten.
- microsoft beschimpft und beleidigt konkurrierende softwareprojekte. das von microsoft als konkurrenz angesehene freie betriebssystem linux wurde von der obersten führungsetage von microsoft unter anderem als krebsgeschwür diffamiert, das andere software “infiziere” (gemeint war das copyleft-prinzip der von linux genutzten GPL-lizenz), und es sei ausserdem kommunistisch (was zweifelsfrei abwertend gemeint war). der ms-gründer bill gates bezeichnet den kampf gegen linux sogar als jihad.
- microsoft verstösst in china gegen die menschenrechte. zusammen mit anderen technologiefirmen wie yahoo, aber im gegensatz zu google, ist microsoft weiterhin daran beteiligt, in china zugunsten ihres firmenprofites gegen das menschenrecht der freien meinungsäusserung zu verstossen. sie kommen den wünschen der pekinger regierung nach, regierungskritische, für demokratie werbende internetseiten zu zensieren.
- microsoft hat die finger tief in der politik drin. der grosskonzern gibt enorme summen aus, um politiker zu beeinflussen: zwischen 2007 und 2009 gab die firma jährlich zwischen $6.7 und $9 Mio. USD für lobbying in washington aus. das sind wohlgemerkt nur die offiziell deklarierten beträge, und betreffen nur die ausgaben in washington DC. sogar in der schweiz hat microsoft die finger drin: 2008 wurde die position des schweizerischen preisüberwachers neu besetzt, zu dessen aufgaben u.a. die überwachung von marktmächtigen unternehmen und kartellen gehört. und wer bekam die stelle? just ein mann, der bis anhin manager bei microsoft war - notabene einer firma, die wegen wiederholtem monopolmissbrauchs weltweit zu rekordbussen verurteilt worden ist.
- OOXML ist damit zwar auch ein offenes format, doch sollte man bedenken, dass es microsoft nur deshalb offengelegt hat, weil es mittlerweile von zahlreichen regierungen auf der welt vorgeschrieben ist, dass amtliche dokumente in einem offenen format gespeichert werden müssen, wodurch microsoft quasi gezwungen wurde, nicht länger auf ein proprietäres format zu setzen. andernfalls hätten sie keine office software mehr an regierungen verkaufen können. [↩]
- löbliche ausnahme ist die firma dell, die sich seit kurzem nicht mehr länger von microsoft in die knie zwingen lässt. [↩]
links
linux für alle - warum nicht windows
groklaw - insiderinformationen u.a. zu microsofts gerichtsverfahren
wikipedia - criticism of microsoft
the importance of open file formats
wikipedia - freie software
free software foundation (europe)



