leute evakuieren

etymologie,linguistik — 17.01.2012

herkömmlicherweise werden bei bränden, unfällen, erdbeben und anderen katastrophen gebäude evakuiert. auch grosse fahrzeuge wie züge, cars oder – wie derzeit gerade aktuell – kreuzfahrtschiffe müssen bei gewissen ereignissen evakuiert werden.

neu ist allerdings, dass auch leute evakuiert werden. so wurden etwa nach dem unglück in fukushima gemäss zeitungsberichten zweihunderttausend bewohner evakuiert (link). in der waadt sind im letzten jahr nach einer anonymen bombendrohung rund 245 personen [...] aus dem spital [...] evakuiert worden (link). ähnlich beim hochwasser im herbst 2011, hier meldet die NZZ: insgesamt evakuierten die rega und ihre partner im überschwemmungsgebiet im berner oberland am nachmittag und abend rund 50 vom hochwasser bedrohte personen (link).

die herkunft des wortes ist schnell erklärt: es geht auf das lateinische adjektiv vacuus -a -um zurück, das ‘leer’ bedeutet; dazu ist das verb ēvacuāre ‘entleeren’ gebildet. von der selben grundlage haben wir im deutschen noch das vakuum ‘luftleerer raum’. evakuieren heisst also ursprünglich ‘leer machen, entleeren’. vor diesem hintergrund ergeben die formulierungen häuser evakuieren und schiffe evakuieren natürlich unmittelbar sinn, personen evakuieren dagegen weniger. was mit personen evakuieren im wörtlichen sinn gemeint sein könnte, möchte ich lieber nicht so genau wissen – ich stelle mir vor, es hat etwas mit chirurgen und einem skalpel zu tun.

natürlich ist aber personen evakuieren nicht falsch – es entspricht heute gängigem sprachgebrauch. es ist jedoch in anbetracht der etymologie völlig klar, dass es sich gegenüber der formulierung häuser evakuieren und schiffe evakuieren um eine jüngere verwendungsweise handelt, die erst möglich wurde, nachdem das wort evakuieren in seiner ursprünglichen bedeutung nicht mehr richtig verstanden worden ist.

(ps: auf die entwicklung des wortes evakuieren bin ich vor einiger zeit bei der lektüre eines blogs oder buches aufmerksam geworden, kann mich aber derzeit nicht erinnern, wo es war. jedenfalls reklamiere ich die beobachtung zur erweiterten verwendungsweise von evakuieren nicht für mich.)

batterie

etymologie,linguistik — 2.10.2011

vor gut einer woche war ich in der stadt basel, genauer gesagt auf der batterieanlage. bei dieser gelegenheit haben meine begleiter und ich uns gefragt, was es mit dem namen batterie auf sich hat, und ob es sich um dasselbe wort handelt wie bei batterie im sinn von ‘mobiler energiespeicher’.

nun zeigt sich, dass das wort batterie im deutschen seit dem 17. jahrhundert existiert und zunächst einen militärischen verwendungszweck hat. es bezeichnet eine aus mehreren einheiten bestehende artillerieeinheit. offenbar war die präzision der kanonen damals noch so schlecht, dass man jeweils mehrere kanoneneinheiten zu einer gruppe zusammenfasste und auf das selbe ziel schiessen liess, um die chance zu erhöhen, einen treffer zu landen. in dieser bedeutung ist das wort aus dem französischen bezogen, vgl. franz. batterie, eigentlich wörtlich ‘das schlagen’ (vom verb battre ‘schlagen’). auch der militärische ausdruck bataillon ‘militärischer verband’ geht auf diese grundlage zurück.

später wurde das wort auch auf den ort übertragen, wo sich die batterie befindet – also den artilleriestützpunkt. in diesem sinn ist also die batterieanlage in basel zu verstehen.

bei der batterie im sinn von ‘mobiler energiespeicher’ handelt es sich offenbar etymologisch gesehen tatsächlich um das selbe wort. im deutschen kommt es in dieser bedeutung erst seit dem 18. jh. vor und wurde über engl. battery vermittelt. wie es zu dieser bedeutungsübertragung kam scheint nicht restlos geklärt, aber die etymologen meinen, es dürfte etwas damit zu tun gehabt haben, dass bei einer batterie (‘artillerieeinheit’) – wie gesagt – mehrere kanonen zu einer einheit kombiniert wurden, um einen bestimmten wirkungsgrad zu erreichen. historische batterien (im sinn von ‘energiespeicher’) sind nämlich ebenfalls aus mehreren elementen aufgebaut, da sie erst durch die reihenschaltung mehrerer galvanischer zellen die gewünschte wirkung entfalten.

referenzen
kluge, f. & seebold, e. (2002): etymologisches wörterbuch der deutschen sprache. berlin. 24. auflage.
pfeifer, w. (1997): etymologisches wörterbuch des deutschen. münchen. 3. auflage.
wyld, h. c. (1961): the universal dictionary of the english language. london.

während

etymologie,linguistik — 8.04.2011

nun noch zur präposition/konjunktion während. die entstehung dieses wortes wird dann verständlich, wenn wir es mit dem heute etwas altmodisch klingenden und eher selten gebrauchten verb währen im sinn von ‘(an)dauern’ in verbindung bringen, z.B. in der krieg währte dreissig jahre. ist diese verbindung einmal etabliert, kann während formal problemlos mit dem präsenspartizip zu diesem verb identifiziert werden (so wie spielend zu spielen oder singend zu singen). wie aber kann es dazu gekommen sein, dass sich auf grundlage eines präsenspartizips eine präposition/konjunktion entwickelt hat?

vermutlich hat man an formulierungen wie in der zeit währender kriege oder nach dreissig jahre währendem krieg zu denken, die als in der zeit während der kriege bzw. während dem krieg missverstanden werden konnten. man hat also wohl aufgrund einer falschen segementierung gemeint, bei den wortauslauten -der und -dem handle es sich um den bestimmten artikel. in dieser analyse musste während als eine temporale präposition erscheinen, und als solche kam sie dann auch in allgemeinen gebrauch.

auch im fall von während ist es also möglich, durch den vergleich mit daten aus der gegenwartssprache, in diesem fall konkret durch die anknüpfung an das verb währen ‘(an)dauern’, etwas über die geschichte des wortes zu erfahren.

dieser beitrag beschliesst meine mini-serie zur etymologie.

referenzen
kluge, f. & seebold, e. (2002): etymologisches wörterbuch der deutschen sprache. berlin. 24. auflage.
pfeifer, w. (1997): etymologisches wörterbuch des deutschen. münchen. 3. auflage.

fertig

etymologie,linguistik — 1.04.2011

ein etwas schwierigerer fall ist fertig. die meistens muttersprachler können das wort vermutlich spontan nicht direkt an anderes wortmaterial anschliessen. dennoch ist die erklärung des wortes eigentlich relativ naheliegend; als hindernis entpuppt sich vor allem die orthographie. hält man sich einmal die (hochdeutsche) aussprache vor augen (bzw. ohren), ist es nicht allzu schwierig, auf eine verbindung zu fahren, fahrt und fähre zu schliessen. würde das wort (etymologisch richtig) fährtig geschrieben, wäre der zusammenhang sogar offensichtlich. das wort hängt mit fahren oder genauergesagt mit dem abstraktum fahrt zusammen: es ist ein von letzterem abgeleitetes adjektiv mit der ausgangsbedeutung ‘zur fahrt bereit, beweglich’. man kann sich vorstellen, dass es zunächst für einen zur abfahrt bereit gemachten wagen, eine zu transportierende ware, eine reisebereite person oder etwas in der art benutzt wurde, bevor es in seiner bedeutung verallgemeinert und für ‘bereit’ im generellen sinn, später auch für ‘abgeschlossen’ oder ‘erledigt’ verwendet wurde.

die verbindung zu einer bedeutung ‘befördern, transportieren’ zeigt sich noch in dialektalem sprachgebrauch. im bündner-walserischen etwa gibt es heute noch das gängige verb fergge(n) im sinn von ‘bringen, befördern’. dieses muss von fertig abgeleitet worden sein, als es noch die ältere bedeutung ‘transportbereit’ hatte. das neuhochdeutsche fertigen, das ihm strukturell genau entspricht, bedeutet dagegen ‘herstellen’ und stammt folglich aus einer zeit, wo fertig bereits den übergang von ‘zur fahrt bereit’ zu ‘bewerkstelligt, fertig, gemacht’ vollzogen hatte.

nächste woche: während.

lesen und auflesen

etymologie,linguistik — 17.03.2011

im anschluss an den letzten beitrag zum wort bisschen versuche ich wiederum an einem beispiel zu zeigen, wie man durch nachdenken über die sprache etwas über ihre geschichte lernen kann. diesmal geht es um das wort lesen ‘schrift interpretieren’. für sich alleine genommen verrät es wenig über seine herkunft, doch gibt es verwandtes wortmaterial, das uns erahnen lässt, wie lesen zu seiner heutigen bedeutung gekommen sein kann. ich denke dabei an die wörter auflesen und auslesen. in diesen zwei verben steckt offensichtlich das selbe wort -lesen drin, jeweils mit einer vorsilbe (präfix) versehen. die bedeutung unterscheidet sich aber grundlegend. mit der interpretation von schrift hat weder auflesen noch auslesen etwas zu tun – stattdessen geht es hier darum, ‘etwas vom boden aufzunehmen, aufzusammeln’ bzw. ‘etwas auszuwählen, etwas (aus einer menge) herauszupicken’. angenommen, die präfixbildungen hätten eine ältere bedeutung bewahrt, ergibt sich für das verb lesen ein anschauliches bild: nämlich das ‘aufnehmen’ oder ‘aufsammeln’ von buchstaben und wörtern. und tatsächlich eklären sich die etymologen die bedeutungsentwicklung des wortes auf diese oder eine ähnliche weise. dabei dürfte auch das lateinische verb legere eine rolle gespielt haben, das ein ganz ähnliches bedeutungsspektrum hatte und damit im verdacht steht, das vorbild für das deutsche lesen im sinn von ‘schriftzeichen interpretieren’ gewesen zu sein.

auch in anderen fällen lässt sich zeigen, dass präfixverben eine ältere wortbedeutung bewahren, während das wort, wo es ohne präfix vorkommt, einen bedeutungswandel durchgemacht hat. zum beispiel dürfen. das wort ist heute ein modalverb, das in erster linie im bedeutungsfeld ‘erlaubnis haben’ anzusiedeln ist. dass es nicht immer diese bedeutung gehabt hat, zeigt das präfixverb bedürfen – es weist auf eine ausgangsbedeutung ‘nötig haben’, die auch vom abgeleiteten substantiv bedarf und vom adjektiv bedürftig gefordert wird. übrigens hängt auch darben ‘mangel leiden’ damit zusammen, wenn auch die verwandtschaft in diesem fall etwas weniger direkt ist. dürfen hat also eine bedeutungsveränderung von ‘nötig haben’ zu ‘erlaubnis haben’ erfahren, die sich vermutlich in negierten sätzen entwickelte (‘hat nicht nötig’ → ‘muss nicht, soll nicht’ → ‘hat keine erlaubnis zu’). bedürfen hat dagegen den älteren stand bewahrt.

damit ist gezeigt, dass die bedeutungsentwicklung von lesen durch einen vergleich mit den präfixverben auflesen und auslesen erschlossen werden kann, weil die präfixverben eine ältere bedeutung erhalten haben – ein phänomen, für das sich bei dürfen und bedürfen eine parallele fand.

nächste woche: fertig.

bisschen und schlückchen

etymologie,linguistik — 4.03.2011

jeden tag verwenden wir sprache, ohne gross darüber nachzudenken, was es mit den wörtern und sätzen, die wir gebrauchen, auf sich hat. warum sagen wir so und nicht anders? im alltag ist diese frage unwichtig – sprache ist konvention, und als solche können wir sie nutzen, ohne sie zu hinterfragen.

wer sich aber die zeit nimmt, über seine sprache nachzudenken, kann einiges über sie und ihre geschichte in erfahrung bringen. es ist sogar recht erstaunlich, wie weit man ganz ohne etymologische wörterbücher und historische grammatiken kommt (obwohl – wer es genau wissen will kommt um diese natürlich nicht herum).

nehmen wir das wort bisschen. bei genauerem hinsehen ist das wort für jeden muttersprachler völlig durchsichtig: es ist eine verkleinerungsform mit -chen zu einem substantiv biss, das seinerseits vom verb beissen abgeleitet ist. die ursprüngliche bedeutung lässt sich als ‘kleiner bissen’ erschliessen. wie aber kommt es zur heutigen verwendung als adjektiv oder adverb mit der bedeutung ‘eine kleine menge’ (ein bisschen geld) oder ‘in geringem mass’ (ein bisschen zu spät)? auch dies ist nicht schwer zu erkennen: die heutige verwendung von bisschen wird ihren ursprung in sätzen gehabt haben, wo es um eine kleine menge von etwas essbarem ging, z.b. ein bisschen brot oder ein bisschen torte. in solchen sätzen konnte das wort bisschen statt als ‘ein kleiner bissen’ auch schlicht als eine ‘eine kleine menge von etwas’ aufgefasst werden, und dies erlaubte, das wort auch für ein bisschen wasser oder ein bisschen zeit zu verwenden, obwohl dort der bezug zu ‘beissen’ nicht mehr gegeben war. von dort war es nur noch ein kleiner schritt, das wort auch für tätigkeiten zu gebrauchen, die ‘in geringem mass’ stattfanden (ich fror ein bisschen).

man kann sich vorstellen, dass etwas paralleles auch mit schlückchen hätte passieren können, d.h. dass man ausgehend von phrasen wie ein schlückchen wein formulierungen wie ein schlückchen geld oder ich fror ein schlückchen hätte kreieren können. offenbar gab es aber kein bedürfnis dafür, noch ein weiteres wort für ‘eine kleine menge von etwas’ zu schaffen. so befinden wir uns also heute in der etwas paradoxen situation, zwar ein bisschen wein, nicht aber ein schlückchen brot zu uns nehmen zu können.

nächste woche: lesen und auflesen.

swiss german ‘idiotikon’ available online

etymologie,linguistik,uni — 19.09.2010

news just reached me that the swiss german ‘idiotikon’ – by far the most extensive lexical ressource of the swiss german dialects – has been made available online. it has already been possible for a while to search the index online, but the search function only returned a pointer to the volume/page of the printed ‘idiotikon’, so that you still had to go to the library to read the article. but now, the results are actually links to scanned pages of the printed work, which are displayed directly in your browser. it’s even possible to move forward/backward from the current page, making it easy to browse the surrounding articles. it seems that the complete work is now accessible online, except the parts which haven’t been edited yet (parts of vol. 16 and vol. 17).

so if you’ve ever wondered what the word Glungge means, whether or not it’s charming to be called a Tubel, or why the word for ‘broom’ features an -m- in some swiss dialects (e.g. Bäsme), you can now easily look it up online.

nl. jullie

etymologie,linguistik — 21.05.2010

schon seit ich das erste mal gehört habe, dass die 2. pers. pl. des personalpronomens im niederländischen jullie lautet, habe ich mich gewundert, was es mit dieser form auf sich hat. vom deutschen her gesehen erscheint sie jedenfalls sehr auffällig, entspricht doch dort ihr. auch das englische you scheint höchstens entfernt verwandt, und in den nordgermanischen sprachen gibt es ebenfalls keine vergleichbare form (no. dere, schw. ni, dän. I, isl. þið). woher kommt also nl. jullie?

als ich heute darüber nachgedacht habe, ist mir dann eingefallen, dass es eine kontraktion aus ‘ihr’ + ‘alle’ sein könnte, entsprechend englisch you all. umgangssprachlich hört man ja im englischen öfters auch kontrahierte formen wie y’all, die beinahe schon als neues personalpronomen lexikalisiert sind, und im niederländischen könnte ja möglicherweise etwas ähnliches passiert sein. ob damit das richtige getroffen ist? zeit, einige wörterbücher zu wälzen…

das nachschlagen in etymologischen wörterbüchern zeigt dann rasch, dass diese erklärung nicht zutrifft. die herleitung der form ist zwar nicht unumstritten, aber im allgemeinen wird sie aus einer zusammenrückung des personalpronomens mit einem wort -lui erklärt, das eine form des wortes für ‘leute’ in der mündlichen (umgangs-)sprache darstellt (standardsprachlich lieden). es handelt sich bei dieser kontraktion, die zum resultat jullie geführt hat, um eine ziemlich neue entwicklung, die aber im mittelniederländischen durch phrasen wie vor ons lieden ‘für uns’ etc. bereits vorgespurt war.

das niederländische jullie ist damit also nicht mit englisch you all/y’all zu vergleichen, sondern mit you people oder dem besonders in amerika gängigen you guys – abgesehen davon, dass es sich um ein anderes lexem handelt, das verbaut wurde. der grund für diese umschreibungen war vermutlich in beiden sprachen derselbe, nämlich dass die form der 2. pers. pl. wegen der neuen verwendung als höflichkeitspronomen die alte singularform (engl. veraltet thou, nhd. du, no. du, etc.) verdrängte, und somit eine neue pluralform geschaffen werden musste, um wieder eindeutig zwischen singular und plural unterscheiden zu können.

nebenbeibemerkt geht aus dem oben gesagten auch hervor, dass die “angelsachsen” also – entgegen der verbreiteten meinung – durch die generelle verwendung der form you nicht als besonders locker gelten können, sondern eigentlich als besonders formell bezeichnet werden müssten, da mit you heute die höflichere variante der beiden pronomen (entspricht nhd. ihr) allgemeine verwendung findet, während die informellere (entspräche nhd. du, wenn es sie noch gäbe) aufgegeben wurde.

referenzen
philippa, m. et al. (ed.): etymologisch woordenboek van het nederlands. amsterdam 2003- (I-III).
schönfeld, m.: schönfeld’s historische grammatica van het nederlands. zutphen 1970.
de vries, j.: nederlands etymologisch woordenboek. leiden 1971.

ahenobarbus

vor kurzem bin ich über den lateinischen familiennamen (cognomen) ahenobarbus gestolpert, der anscheinend von einer ganzen familie von römischen politikern (konsuln) getragen wurde, zu denen auch der spätere kaiser nero gehörte. sie hiessen alle gnaeus domitius ahenobarbus oder lucius domitius ahenobarbus. aber was für ein name ist ahenobarbus? zumindest der erste teil des wortes kam mir nicht sehr lateinisch vor, da das lateinische in der regel in intervokalischer position keinen -h- laut kennt (im gegensatz zum anlaut, wo er gängig ist: hostis, habēre usw.).

mit dem oxford latin dictionary war die frage aber schnell geklärt. das vorderglied ahenus ist einfach eine variante zu aēnus a um ‘aus bronze, bronzenfarbig’, und das ganze ist dann ein possessivkompositum (bahuvrihi) mit der bedeutung ‘einer mit bronzefarbigem bart; rotbart’.

update
es gibt doch mehr lat. wörter mit inlautendem -h- als ich zunächst dachte, z.b. veho ‘fahre’, traho ‘ziehe’. zum schwund von -h- vgl. meiser 1998: §74,15; zur (nicht-)aussprache in der klass. zeit vgl. §42,3. das -h- in ahenam interpretiert meiser als silbentrennungszeichen, s. §74,15.

referenz
meiser, g.: historische laut- und formenlehre der lateinischen sprache. darmstadt 1998.

sprachwandel nach a. s. diamond

da der zeitpunkt, zu dem die menschliche sprache entstanden ist, sehr weit
in der vorgeschichte zurückliegt, werden wir nie eine sichere
antwort auf die frage haben, wie dieser vorgang genau abgelaufen
ist. das hat die leute aber nicht davon abgehalten, trotzdem die
verschiedensten sprachursprungstheorien zu entwickeln – allesamt
hochgradig spekulativ, aber dafür sehr originell. mittlerweile ist
die disziplin sogar so beliebt geworden, dass sie einen eigenen namen
erhalten hat: die glottogonie.

meine liebste sprachursprungstheorie ist nun die von einem herrn diamond
(1959:258ff). er ist der ansicht, dass am anfang der sprachentwicklung
geräusche standen, die man bei kräftigen bewegungen des arms
unwillentlich von sich gibt. bei verschiedenen arbeitstätigkeiten (er
nennt schneiden, brechen, zerquetschen, schlagen) hätten die menschen
aufgrund der anstrengung verschiedene geräusche produziert, die dann mit
der entsprechenden verbalhandlung assoziert worden seien. um anderen
menschen gegenüber klar zu machen, welche verbalhandlung man meint,
konnte man dann das jeweilige geräusch nachahmen. daraus
hätte sich durch präzisierung usw. eine richtige sprache entwickelt. am
anfang hätten dann genau die vier oben genannten verben gestanden, weil
diese einen “maximum arm effort” erforderten, also besonders anstrengend
waren und deshalb mit einem hörbaren geräusch einhergingen. diese wörter wären also die ältesten, und dies meint diamond sogar aufgrund der ältesten belegten sprachstufen nachweisen zu können.

na, überzeugt…? ;]

referenz

diamond, a. s.: the history and origin of language. london 1959.

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